Arten schützen, Vielfalt erhalten

Biodiversität Informationen

Unter Biodiversität versteht man die Vielfalt von Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen etc.), von Genen innerhalb von Arten und von Ökosystemen (Lebensräume). Je größer die biologische Vielfalt in einem Ökosystem ist, umso weniger bedrohlich sind störende Einflüsse von außen für diesen Lebensraum.

Der Erhalt der Biodiversität ist aus unterschiedlichen Gründen von großer Bedeutung: Biodiversität hilft, Böden und Pflanzen gesund zu halten und spielt damit auch für die Landwirtschaft und in weiterer Folge für die Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle. Die Pflanzen-Bestäubung ist in vielen Fällen erst durch die Beteiligung unterschiedlicher Tiere (Insekten wie z. B. Bienen sowie Vögel oder Fledermäuse) möglich. Weiters können beispielsweise Nutzpflanzen mit Hilfe von Wildpflanzen resistenter gegen Schädlinge gemacht werden; die Biodiversität im Boden ist außerdem maßgeblich an der Klärung des Wassers beteiligt.

Eine große biologische Vielfalt ist allerdings nicht mehr selbstverständlich. Circa ein Drittel der weltweit untersuchten Tiere und Pflanzen sind derzeit auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als gefährdet eingestuft. Die tatsächliche Zahl ist aber wahrscheinlich noch weitaus größer. Gründe für den Rückgang der Artenvielfalt gibt es viele. Dazu zählen unter anderem: hohe Bodenversiegelung, intensive Landwirtschaft mit Einsatz von Pestiziden und künstlichen Düngemitteln, Gentechnik, Klimawandel und globaler Temperaturanstieg, Lichtverschmutzung sowie die Verschmutzung der Gewässer.

Auch die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO misst der Biodiversität der Nahrungspflanzen und einer umweltschonenden Landwirtschaft besondere Bedeutung zu. Der Arten- und Sortenverlust soll gestoppt und die Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen (PGR) gefördert werden. Die Biodiversität soll durch den Anbau zahlreicher unterschiedlicher Sorten verschiedener Arten für die nächsten Generationen bewahrt werden.

Hier übernehmen wir eine wesentliche Aufgabe in der Erhaltung der Biodiversität und damit einer intakten Umwelt. Durch unsere Genbank für landwirtschaftliche Kulturpflanzen fördern wir die Erhaltung und Verwendung pflanzengenetischer Ressourcen und wirken so dem Arten- und Sortenverlust entgegen.

AGES-Genbank

In unserer Genbank lagern rund 5.200 Proben von Saatgut und Pflanzen. Mit der Genbank für landwirtschaftliche Kulturpflanzen, Medizinal- und Aromapflanzen leisten wir einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der Biodiversität.

Die AGES-Genbank ist am Standort Linz Wieningerstraße eingerichtet. Sie ist Österreichs größte Genbank für Pflanzengenetische Ressourcen und besteht seit 1968. Es werden hier hauptsächlich Kulturpflanzen (4420 Akzessionen/Muster von 164 Arten) erhalten; darunter, etwa 1.480 Weizenmuster, 993 Gersten, 444 Hafer, 89 Roggen, 57 Mais, 140 Käferbohnen, 510 Gartenbohnen, 94 Erbsen, 60 Ackerbohnen, 86 Sojabohnen und 168 Mohn-Muster (Stand 19.11.2021). Daneben erhält die Linzer Genbank auch eine große Sammlung an Medizinal- und Aromapflanzen, sowie gefährdete Arten (in Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich). Hier bewahren wir 786 Medizinal- und Aromapflanzen und 163 Muster gefährdete Pflanzen, von insgesamt 458 Arten.

Genbanken in Österreich

Neben der Genbank in Linz kümmern sich noch 12 weitere Institutionen um den Erhalt pflanzengenetischer Ressourcen in Österreich. Auf Bundesebene werden Obst und Wein von der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, Gemüse von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn sowie Futterpflanzen vom Lehr- und Forschungszentrum Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein erhalten. Darüber hinaus hält die Universität für Bodenkultur, sowie die Höhere land- und forstwirtschaftliche Schule St. Florian/Linz eine Obstsammlung. Auf Landesebene sind das Amt der Tiroler Landesregierung, das Landesversuchszentrum Steiermark, das Landesversuchszentrum Haidegg, die Landwirtschaftliche Fachschule Warth sowie die Landwirtschaftskammer Kärnten aktiv. Die älteste Genbank ist seit 1922 in Tirol beheimatet.

Auf dem privaten Sektor erhalten bzw. beschäftigen sich insbesondere Züchterfirmen (Saatzucht Donau, Saatzucht Edelhof, Saatzucht Gleisdorf, NÖ Saatbaugenossenschaft), NGOs bzw. Vereine (Arche Noah, Hortus u. a.) mit der Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen.

Seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen

Hier finden Sie einen Überblick über Seltene Landwirtschaftliche Kulturpflanzen (SLK) und über die Maßnahmen des Agrar-Umweltprogrammes zur Förderung des Anbaues von seltenen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen in Österreich.

Wildpflanzen

Mit der Lagerung von Samen und der Anzucht von Wildpflanzen unterstützt unsere Abteilung für Pflanzengenetische Ressourcen in Linz in Zusammenarbeit mit der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich die Erhaltung von Wildpflanzen.

Im Rahmen dieser Kooperation bringen wir unsere Kompetenz und Erfahrung zur Erhaltung der Biodiversität auch bei Wildpflanzen ein. Samen von Wildpflanzen werden bei -18 °C eingelagert. Derzeit sind Samen von rund 90 Akzessionen in unserem Langzeitlager gesichert. Weiters werden Jungpflanzen von einzelnen Arten aufgezogen, damit sie in der Folge im ursprünglichen Biotop wieder ausgepflanzt werden können. Bei Bedarf erfolgt darüber hinaus die Gewinnung von Samen.

Weitere Informationen zum Naturschutz in Oberösterreich finden Sie hier.

Beispiele für die Anzucht gefährdeter Arten

Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata)

Der Ährige Ehrenpreis wächst vornehmlich an trockenen, mageren Standorten. Da solche Standorte immer seltener werden, ist diese Art auch stark gefährdet. Die angezogenen Jungpflanzen wurden von uns an zwei Standorten ausgepflanzt. Ebenso erfolgte eine Aussaat von Samen. Von dieser Art wurden bei uns weiters über 10.000 Samen zur Erhaltung gewonnen und in unserer Genbank eingelagert.

Sumpfabbiss (Succisella inflexa)

Der Sumpfabbiss ist eine in anmoorigen Biotopen in Oberösterreich vorkommende Pflanze, deren Bestand zurückgeht und bedroht ist. Das liegt insbesondere an ihrer sehr langsamen Jugendentwicklung. Deshalb wird sie auch von anderen konkurrierenden Arten leicht verdrängt.

Kontakt

Leitung

DI Paul Freudenthaler

Mag. Dr. Sylvia Vogl

Aktualisiert: 20.05.2022

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