So viel Zucker darf sein

WHO Zucker Empfehlungen

WHO Zucker Empfehlungen: max. 5 bis 10 Teelöffel freien Zucker pro Tag

Um das Risiko einer ungesunden Gewichtszunahme und Karies zu verringern, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Aufnahme an freiem Zucker in sämtlichen Lebensphasen auf unter 10 Energieprozent zu reduzieren. Unter „freie Zucker“ werden hier alle Zuckerarten verstanden, die Speisen und Getränken beigefügt werden. Aber auch jener Zucker, der natürlich in Honig, Sirup, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften vorkommt.

Für einen durchschnittlichen Erwachsenen (bei einer Kalorienzufuhr von 2.000 kcal) entsprechen 10 Energieprozent nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag (ca. 10 Teelöffel bzw. 14 Stück Würfelzucker).

Bei Kindern ist die maximal empfohlene Aufnahme an freiem Zucker – je nach Alter und Geschlecht – geringer. Bei Jugendlichen und sportlich Aktiven kann es auch mehr sein. Für ein- bis dreijährige Kinder entsprechen 10 Energieprozent ungefähr 30 Gramm Zucker pro Tag (ca. 6 Teelöffel) (berechnet auf Basis der D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr). Für Kinder von 4 bis 6 Jahren sind es ca. 35 Gramm freier Zucker pro Tag und für Kinder von 7 bis 10 Jahren ca. 42 Gramm freier Zucker pro Tag. Zur Veranschaulichung enthält ein Glas Limonade (250 ml) durchschnittlich 18 Gramm an freiem Zucker. Im 1. Lebensjahr sollte die Gabe von zugesetztem Zucker vermieden werden.

Außerdem hält die WHO eine weitere Reduktion der Aufnahme freien Zuckers auf unter 5 Energieprozent (also täglich nicht mehr als 5 Teelöffel Zucker für Erwachsene) als langfristiges gesundheitspolitisches Ziel für sinnvoll.

Zucker ist vielen Lebensmitteln in unterschiedlicher Menge zugesetzt, z. B.:

Lebensmittel Zuckergehalt
1 Glas Limonade (250 ml) bis zu 32,5 g
1 Becher Fruchtjoghurt (Packungsgröße: 70-250 g) bis zu 36 g
1 Portion Frühstückscerealien (30 g) bis zu 13 g


Mit unserem Online-Tool „Lebensmittel unter der Lupe“ können Konsumentinnen und Konsumenten unter anderem Zucker-, Salz-, Fett- und Energiegehalte von Lebensmitteln ganz einfach vergleichen. Zusätzlich bietet das Tool praktische Tipps und Informationen rund um eine ausgewogene Ernährung. Derzeit stehen Informationen zu Säuglings- und Kleinkindprodukten, Erfrischungsgetränken, Frühstückscerealien, Milchprodukten, Trinkkakaomischungen/Trinkschokoladen, Wurstwaren, Pizzen, Aufstrichen, Ketchups und andere Saucen, Süßwaren und Knabbergebäck zur Verfügung. Mehr Informationen finden Sie auch in dem Nährstoffmonitoring-Bericht 2017–2021.

Studie der Weltgesundheitsorganisation zeigt: Zuviel Zucker in Säuglings- und Kleinkindnahrungen

Bei knapp 60 % der in Österreich für Säuglinge und Kleinkinder vermarkteten Nahrungsmittel und Getränke stammen mehr als 30 % der enthaltenen Kalorien aus Zucker. Das zeigt eine europaweite Studie der Weltgesundheitsorganisation, bei der rund 8.000 Produkte in vier Städten in der Europäischen Region der WHO (Budapest, Haifa, Sofia und Wien) auf den Zuckergehalt getestet wurden.

In drei der untersuchten Länder (Österreich, Bulgarien und Ungarn) entfielen bei mindestens der Hälfte der Produkte mehr als 30 % der enthaltenen Kalorien auf den Gesamtzuckergehalt. Bei 4 von 10 Produkten waren mehr als 40 % der enthaltenen Kalorien auf Zucker zurückzuführen. Nur in Israel waren die Zuckergehalte niedriger, allerdings stammen auch hier bei 18 Prozent der Produkte 30 % der Gesamtkalorien aus Zucker.

In vielen Lebensmitteln wie beispielsweise in pürierten Breien aus Obst, Gemüse oder Milch ist von Natur aus Zucker enthalten. Bei rund einem Drittel der Produkte (30 %) war jedoch Zucker oder eine andere süßende Zutat wie Fruchtsaftkonzentrat zugesetzt. Besonders zuckerhaltig waren Getränke wie Säfte und Tees, Desserts sowie pürierte Breie aus Obst.

Für Österreich wurden im Zeitraum November 2017 bis Jänner 2018 in 22 Geschäften in Wien (Supermärkte, Biomärkte, Drogeriemärkte, etc.) Produkte wie Frucht- und/oder Gemüsebreie, Milch-Getreide-Breie, Menüs mit Fleisch oder Fisch, Suppen, Joghurts, Desserts, Kekse, Waffeln, Säfte, Tees und andere Getränke gesammelt, die für Kinder im Alter von 0 bis 36 Monate vermarktet wurden, und auf den Zuckergehalt untersucht. Unsere Datenerfassung erfolgte auch für das Projekt „Lebensmittel unter der Lupe“.

Vom Gesundheitsförderungsprogramm „Richtig essen von Anfang an!“ werden bereits seit 2010 die am österreichischen Markt erhältlichen Beikostprodukte hinsichtlich ihrer Kennzeichnung (Nährwerte, Zutaten etc.) evaluiert, insbesondere in Bezug auf den Gehalt an Zucker und Salz. Auf Basis der Ergebnisse wurden im Jahr 2016 „Qualitätskriterien für Beikost Starterprodukte“ erarbeitet, die von der Arbeitsgruppe „Kleinkinder, Stillende und Schwangere“ (AG KISS) und der Nationalen Ernährungskommission abgestimmt wurden. Die Kriterien gelten für Breie im Gläschen sowie Getreidebreie zum Anrühren, die ab Beginn des 5. Monats und 6. Monats geeignet sind. Sie geben Vorgaben im Bereich der „Alterseignung“, „Zutatenliste“, insbesondere Zucker und süßende Zutaten bzw. Zutaten, die zum Zuckergehalt beitragen, und „Verwendungsempfehlung“.

Um Eltern und nahe Bezugspersonen bei der Auswahl von Beikostprodukten im ersten Lebensjahr zu unterstützen, wenn nicht selbst gekocht wird, wurde von „Richtig essen von Anfang an!“ der Folder "Checkliste Beikostprodukte" erstellt. Für die Beikosteinführung wird empfohlen Produkte mit Zuckerzusatz zu meiden und auch nicht nachzusüßen.

WHO Richtlinie für die Aufnahme an freiem Zucker

Die von der WHO 2015 veröffentlichte Richtlinie für die empfohlene Aufnahme von Zucker soll helfen, ungesunde Gewichtszunahme und Zahnkaries besser zu kontrollieren bzw. Folgeerkrankungen vorzubeugen. Die Richtlinie basiert auf einer Auswertung verschiedener wissenschaftlicher Studien zum Konsum von Zucker bei Erwachsenen und Kindern und dem Risiko einer Gewichtszunahme bzw. Entstehung von Karies.

Im Fokus der WHO Empfehlungen steht die Aufnahme von freiem Zucker aller Zuckerarten. Darunter versteht man unter anderem Traubenzucker (Glucose, Dextrose), Fruchtzucker (Fructose), Haushaltszucker (Saccharose) sowie Malzzucker (Maltose) oder auch Zucker, der in Honig, Sirupen, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten vorkommt. Freie Zucker werden einerseits von Verbraucherinnen und Verbraucher selbst den Nahrungsmitteln und Getränken zugefügt (z. B. Zucker im Kaffee, Honig im Müsli). Andererseits kommen freie Zucker aller Zuckerarten aber auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln (z. B. Fertiggerichte, Limonaden, Kekse) und der Gastronomie (z. B. Zucker in Süßspeisen) vor.

Die WHO-Richtlinie bezieht sich nicht auf den natürlichen, in frischem Obst oder in Milch vorkommenden Zucker, sondern nur auf den freien Zucker aller Zuckerarten.

Tipps zur Zucker-Reduktion

  • Zuckermengen langsam und schrittweise reduzieren.
  • Beachten Sie, dass süße Lebensmittel gleichzeitig hohe Mengen an Fett und pikante Speisen auch viel Zucker enthalten (z. B. Pizza, Ketchup etc.) können.
  • Wenn Sie Speisen selbst zubereiten, verwenden Sie Zucker nur sparsam. Ein Löffel oder Streuer kann beim Zuckern helfen, um ein besseres Gefühl für die Dosierung zu haben.
  • Beim Backen kann auch ohne Weiteres ein Drittel der angegebenen Zuckermenge ohne Geschmackseinbußen weggelassen werden. Einfach ausprobieren, ob es schmeckt.
  • Zucker in vorverpackten Lebensmitteln erkennen und meiden: Andere Bezeichnungen für „Zucker“ sind z. B. Saccharose, Raffinade, Invertzucker, Traubenzucker (Glukose, Dextrose), Glukosesirup, Glukose-Fruktose-Sirup, Stärkesirup, Fruchtzucker (Fruktose), Fruktosesirup, Fruchtsüße, Malzzucker (Maltose), Milchzucker (Lactose). Auch Honig, Sirupe, Dicksäfte (z. B. Agavendicksaft), Fruchtsäfte, Fruchtsaftkonzentrate, Fruchtpürees und getrocknete Früchte sind Zuckerlieferanten.

Aktualisiert: 07.04.2022

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