Gesundheit für Mensch, Tier & Pflanze

Aluminium

Aluminium

Steckbrief

Beschreibung

Aluminium ist mit einem Anteil von fast acht Prozent das häufigste metallische Element der Erdkruste. Häufiger sind nur noch die Elemente Sauerstoff und Silicium. Aluminium liegt hauptsächlich in Aluminiumsilikaten, -hydroxiden, -phosphaten und –sulfaten sowie Cryolit vor (WHO, 1997). Aus dem Untergrundgestein gelangt Aluminium über natürliche Erosionsprozesse und über menschliche Aktivitäten in Boden und Wasser. Aluminium ist Bestandteil der Tonminerale im Boden. Die Pflanzen nehmen Aluminium aus Boden und Wasser auf, woraus sich ein natürlicher Aluminiumgehalt in Pflanzen und pflanzlichen Lebensmitteln ergibt.

Vorkommen

Metallisches Aluminium wird aus Bauxit (ein Aluminiumerz) in einem elektrolytischen Verfahren hergestellt und kann zu verschiedenen Legierungen weiterverarbeitet werden. Darüber hinaus werden verschiedene anorganische und organische Aluminiumverbindungen hergestellt und vielseitig eingesetzt. Aluminium begegnet uns unter anderem bei der Wasseraufbereitung, bei der Papierherstellung, in brandverzögernden Materialien, Haushaltsgegenständen, Geschirr, Lebensmittelverpackungen, Nahrungsmittelzusatzstoffen, Farbstoffen, Futtermittelzusatzstoffen, Pflanzenschutzmitteln, Kosmetikprodukten und Medikamenten.

Entsprechend seines vielfältigen Einsatzes ist auch die von Verbraucherinnen und Verbrauchern aufgenommene Aluminiummenge (Exposition) je nach individuellen Gewohnheiten sehr unterschiedlich. Zu den Quellen von Aluminium zählen nicht nur Lebensmittel, sondern auch Lebensmittelkontaktmaterialien, Kosmetika und Arzneimittel. Aluminium kann sowohl oral (über die Ernährung) als auch inhalativ (über die Atemwege) oder dermal (über die Haut) aufgenommen werden.

Lebensmittel

Das Aluminium in unserer Nahrung ist sowohl eine Folge des natürlichen Aluminiumgehalts der Pflanzen als auch des Einsatzes von aluminiumhaltigen Lebensmittelzusatzstoffen. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat in ihrer Scientific Opinion aus dem Jahr 2008 EU-weite Untersuchungsdaten zu Aluminium in Lebensmitteln ausgewertet. Die meisten unverarbeiteten Lebensmittel enthalten weniger als 5 mg Aluminium/kg. Höhere Konzentrationen (durchschnittlich 5-10 mg/kg) treten in Getreideprodukten, Backwaren, Milchprodukten sowie in einigen Gemüsearten, Innereien und Meeresfrüchten auf. Durchschnittliche Konzentrationen von über 10 mg/kg wurden in Kakao, Tee und Kräutern gemessen. Diese Gesamtaluminiumgehalte erlauben jedoch keinen Rückschluss auf spezifische Eintragsquellen, d. h. es wurde nicht zwischen natürlichen Gehalten und Einträgen durch die Verarbeitung unterschieden (EFSA 2008). Auch Laugengebäck kann hohe Gehalte an Aluminium aufweisen. Trinkwasser hingegen leistet einen geringen Beitrag.

Lebensmittelkontaktmaterialien

Aufgrund der guten Wärmeleitfähigkeit und des geringen Gewichts werden einige Koch- bzw. Küchenutensilien wie beispielweise bestimmte Pfannen, Espressokocher und Backbleche aus Aluminium-Legierungen hergestellt. Häufig findet sich Aluminium in Lebensmittelverpackungen in Form von Menüschalen, Getränkedosen, Folien oder in Mehrschichtverbunden. Im Verpackungssektor wird Aluminium unter anderem auch wegen seiner exzellenten Barriereeigenschaften eingesetzt. Diese gewährleisten einerseits einen optimalen Aromaschutz des Lebensmittels und verhindern andererseits das Eindringen von unerwünschten Stoffen. Des Weiteren findet Aluminium auch in Metall-Legierungen und in Farbpigmenten Verwendung.

Aluminium kann in geringen Mengen aus Lebensmittelkontaktmaterialien während der Lagerung oder Zubereitung auf das Lebensmittel übergehen. Da die meisten Lebensmittelkontaktmaterialien aus Aluminium zusätzlich beschichtet sind, stellt dies aber in der Regel keine relevante Exposition dar. Zu beachten ist aber, dass unbeschichtete Aluminiumgegenstände wie beispielsweise Grilltassen oder unbeschichtete Backbleche nicht mit stark sauren oder stark salzhaltigen Lebensmitteln (z. B. Zitrone, Sauerkraut, Paradeiser, Grillmarinaden) in Berührung kommen sollten.

Kosmetische Produkte

Aluminium findet in verschiedenen kosmetischen Produkten Anwendung. Es wird als metallisches Pigment zur Farbgestaltung in Lippenstiften, Lidschatten oder anderen dekorativen Kosmetika verwendet. In Sonnenschutzmitteln wird Aluminium zur Ummantelung von UV-Filtern wie zum Beispiel Titandioxid eingesetzt. In Zahnpasta kommen Aluminiumverbindungen beispielsweise zur Kariesprophylaxe oder zur Entfernung von Zahnbelag zum Einsatz. In Form von Aluminiumchlorid, Aluminiumchlorohydrat oder den diversen Aluminium-Zirconium-Komplexen (allgemein „Aluminiumsalze“) wird es als schweißhemmender Inhaltsstoff in Antitranspirantien verwendet. Dadurch unterscheiden sich Antitranspirantien von Deodorants, die lediglich antibakterielle Substanzen und Duftstoffe enthalten, um unangenehmen Schweißgeruch zu unterbinden. Auch „natürliche Deokristalle“ basieren in der Regel auf der Verwendung von Aluminiumsulfaten (Alaunstein, Ammonium Alum). Auf Basis der aktuellen Datenlage tragen Antitranspirantien nur sehr gering zur Gesamtaufnahme von Aluminium bei.

Gesundheitsrisiko

Berufliche Exposition während der Aluminiumproduktion ist laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als krebserzeugend für den Menschen (Gruppe 1) eingestuft. Das bedeutet, dass genügend Beweise vorliegen, um mit ausreichender Sicherheit eine Blasenkrebs- und Lungenkrebserzeugende Wirkung am Menschen durch Exposition während der Aluminiumproduktion zu bestätigen (IARC, 2005). Diese krebserzeugenden Effekte von Aluminium sind auf eine inhalative Exposition (d. h. Aufnahme über die Atemwege) zurückzuführen. In Bezug auf die orale Exposition kam die EFSA im Jahr 2008 zu dem Schluss, dass Aluminium in Dosen, die über die Ernährung zugeführt werden, nicht krebserzeugend ist (EFSA, 2008).

Aluminium kann das Nervensystem schädigen, was anhand von Dialysepatientinnen und Dialysepatienten gezeigt wurde. Diese waren aufgrund ihrer Behandlung chronisch sehr hohen Dosen Aluminium direkt über die Blutbahn ausgesetzt und entwickelten eine Dialyse-Enzephalopathie, die durch eine Hirnschädigung sowie eine Mineralisationsstörung der Knochen und Blutarmut (Anämie) gekennzeichnet ist. Tierstudien deuten außerdem auf negative Effekte auf die Fruchtbarkeit (u. a. auf die Spermienqualität) sowie die Entwicklung der Nachkommen (z. B. motorische Störungen und verspätetes Erreichen der Pubertät) hin.

Situation in Österreich

Gesetzliche Regelungen

Lebensmittel

Bislang gibt es für Aluminium keinen gesetzlich festgelegten EU-Höchstgehalt in Lebensmitteln. Für Laugengebäck wurde in Österreich im Jänner 2016 ein Aktionswert von 10 mg Aluminium pro kg Laugengebäck erlassen (BMSGPK-2021-0.359.197 vom 5.7.2021). Ein Aktionswert zeigt die Notwendigkeit einer genauen Untersuchung beziehungsweise Abklärung an. Er stellt keinen Grenzwert beziehungsweise regulatorischen Höchstgehalt dar.

Kosmetische Produkte

Auf EU-Ebene ist der Gehalt an Aluminiumverbindungen in kosmetischen Produkten wie z.B. Aluminium-Zirconium-Komplexen durch die Kosmetik-Verordnung (Nr. 1223/2009) geregelt.

Lebensmittelkontaktmaterialien

Für Kontaktmaterialien und – Gegenstände hergestellt aus Metallen bzw. Legierungen existieren derzeit keine rechtlich verbindlichen Grenzwerte. Allerdings ist die technische Leitlinie des Europarates „Metals and alloys used in food contact materials and articles“ (1st Edition) europaweit anerkannt und hat in einigen anderen Mitgliedsstaaten den Status einer nationalen Verordnung. Darin wird für Aluminium ein Höchstwert von 5 mg/kg Lebensmittelsimulanz empfohlen, d.h. dass sich bei der Verwendung des Gegenstandes nicht mehr als 5 mg Aluminium pro kg Lebensmittel bzw. Füllgut aus dem Gegenstand herauslösen und in das Lebensmittel übergehen sollen. 

Zum Einsatz von Aluminium in Gebrauchsgegenständen gibt es eine nationale Empfehlung des Gesundheitsministeriums (BMG-75210/0035-II/B/13/2015 vom 27.1.2016). In dieser wird festgehalten: „Zur Zubereitung und Aufbewahrung von stark sauren oder stark salzhaltigen Lebensmitteln (z. B. Zitrone, Sauerkraut, Paradeiser, Grillmarinaden) sollen Kochgeschirr bzw. Gegenstände aus unbehandeltem (unbeschichtetem) Aluminium wegen der zu erwartenden hohen Aluminiumabgabe nicht verwendet werden. Dies trifft auch auf Aluminiumfolien zum speisenberührenden Abdecken saurer oder salzhaltiger Lebensmittel zu.“

Untersuchungen

Wir untersuchen regelmäßig Aluminium in verschiedenen Warengruppen, Lebensmittelkontaktmaterialien und Kosmetikprodukten im Rahmen von Schwerpunktaktionen.

Kindernährmittel

Kleinkinder werden grundsätzlich als besonders sensible Bevölkerungsgruppe betrachtet. Folglich haben wir ein Monitoring der Aluminiumgehalte in Kindernährmittel durchgeführt. Aus den Untersuchungen an Kindernährmitteln ging hervor, dass diese äußerst geringe Aluminiumgehalte aufweisen. Im Mittel lagen die Gehalte bei 1,7 mg/kg, wobei Säuglingsanfangs-- und Folgenahrung im Mittel Gehalte von 0,8 und 1,2 mg/kg aufwiesen. Babymenüs und Getreidebeikost wiesen jeweils mittlere Gehalte von 1,3 und 3,4 mg/kg auf. Der etwas höhere Aluminiumgehalt der Getreidebeikost ist auf die allgemein höhere Verunreinigung von Getreide mit Aluminium zurückzuführen.

Glasnudeln

Nachdem es innerhalb der europäischen Gemeinschaft vermehrt zu Rückrufen von Glasnudeln aufgrund eines ungewöhnlich hohen Aluminiumgehaltes kam, wurden zwei Schwerpunktaktionen zu Aluminium in Glasnudeln durchgeführt. Im Allgemeinen versteht man unter Glasnudeln Nudeln, welche lediglich aus der Stärke von Mungbohnen, Erbsen o .Ä. hergestellt werden. In der ersten Aktion wurden von den insgesamt 31 Proben zwei aufgrund eines zu hohen Aluminiumgehaltes beanstandet. Mangels eines gesetzlichen Höchstgehaltes wurden diese Beanstandungen aufgrund einer Risikoanalyse getroffen, da es durch Verzehr der Proben bereits zur Überschreitung der maximalen tolerierbaren wöchentlichen Aufnahme (TWI 1 mg/kg Körpergewicht pro Woche, EFSA 2008) gekommen wäre. Da beide Proben aus Süßkartoffelstärke gewonnen wurden, wurde die Aktion mit Fokus auf derartige Produkte wiederholt. Bei der zweiten Aktion wurden keine Beanstandungen wegen eines erhöhten Aluminiumgehaltes ausgesprochen.

Laugengebäck

Laugengebäck und ähnliche Backwaren werden vor dem Backprozess mit Natronlauge (2 bis 6 %) behandelt, um ihnen beim Backen eine braune Kruste und den typischen Geschmack zu verleihen. Dazu werden die Teiglinge in die Lauge getaucht und anschließend auf das Backblech gelegt und gebacken. Häufig kommen beim Backen Aluminiumbleche zur Anwendung. Diese haben eine hohe Wärmeleitfähigkeit und sind relativ korrosionsbeständig. Kommt die Natronlauge in direkten Kontakt mit dem Aluminium wird jedoch die schützende Oxidschicht des Aluminiumbleches angegriffen. Aluminium wird aus dem Blech gelöst und kann auf das Laugengebäck übergehen. Immer wieder wurden bei Untersuchungen Aluminiumgehalte in Laugengebäck von mehr als 10 mg pro Kilogramm Lebensmittel festgestellt. Bereits im Jahr 2002 hat das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2002) daher empfohlen, den Übergang von Aluminium auf technisch unvermeidbare Werte zu reduzieren. Dazu könnte man zum Beispiel auf das vollständige Eintauchen des Teiglings verzichten und die Oberfläche stattdessen nur teilweise mit der Natronlauge bestreichen. Auch die Verwendung von Silikon-Auflagen, Backpapier oder Antihaftbeschichtung für die Aluminiumbleche helfen den Aluminiumübergang zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Aluminiumgehalte von 5 -10 mg / kg treten in Brot und Gebäck allgemein auf, da diese natürlicherweise im Getreide enthalten sind. Höhere Gehalte (> 10 mg/kg) gelten hingegen als technisch vermeidbar und sollten nicht auftreten (BfR 2002, 2020; EFSA 2008).

Wir haben zwischen Anfang Februar 2015 und Ende Juli 2015 eine Monitoring-Aktion zu Aluminium in Laugengebäck durchgeführt. Dieses Monitoring diente dazu, übliche Aluminiumgehalte von Laugengebäck in Österreich zu bestimmen und, wenn notwendig, Maßnahmen zur Beseitigung von Kontaminationsquellen im Herstellungsprozess zu veranlassen. Bei der Schwerpunktaktion wurden insgesamt 76 Laugengebäcke aus den verschiedenen österreichischen Bundesländern beprobt. Mehr als 75 Prozent der Proben (59 Proben) wiesen Aluminiumgehalte unter 10 mg/kg auf, während rund 20 Prozent (15 Proben) erhöhte Gehalte (10 - 90 mg/kg) aufwiesen. Hinzu kamen noch zwei weitere Proben (2,6 %), welche auf Grundlage einer Risikoanalyse wegen eines stark überhöhten Aluminiumgehaltes (> 90 mg/kg) beanstandet wurden.

Aluminiumhaltige Zusatzstoffe

Da die EFSA 2008 die tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) von 7 mg/kg Körpergewicht auf 1 mg/kg Körpergewicht reduziert hat, wurden mit der VO Nr. 380/2012 und 231/2012 die Verwendungsbedingungen geändert und die Verwendungsmengen für aluminiumhaltige Lebensmittelzusatzstoffe, einschließlich Aluminiumlacke gesenkt. Um die am österreichischen Markt verfügbaren aluminiumhaltigen Zusatzstoffe auf ihre Konformität mit diesen gesetzlichen Regelungen zu überprüfen, haben wir hierzu im Jahr 2015 eine Schwerpunktaktion durchgeführt. Es wurden insgesamt 32 Proben untersucht, hierzu zählten reine Zusatzstoffe und Zusatzstoffmischungen, sowie auch verzehrsfertige Lebensmittel mit den entsprechenden Zusatzstoffen. Alle untersuchten Proben entsprachen hinsichtlich des Aluminiumgehaltes den neuen rechtlichen Bestimmungen zu Lebensmittelzusatzstoffen und Farbstoffen aus Aluminiumlacken.

Lebensmittelkontaktmaterialien

Wir haben in Bezug auf den stofflichen Übergang von Aluminium aus Lebensmittelkontaktmaterialien im Jahr 2015 zwei Schwerpunktaktionen durchgeführt. In einer Schwerpunktaktion wurde der Aluminiumübergang von Dosen auf das Füllgut untersucht. Grundsätzlich sind Getränkedosen innenbeschichtet, sodass kein direkter Lebensmittelkontakt möglich sein sollte. Untersucht wurden Biere, sowie kohlensäurehaltige Getränke wie Radler, Softdrinks etc. Anfangs wurde der Aluminiumgehalt der Tankware (in der Produktion) bestimmt, sowie anschließend auch nach Dosenabfüllung nach einer Lagerdauer von 6 und 12 Monaten. Darüber hinaus wurde die Aluminiummigration der Leerdosen mittels Lebensmittelsimulanzien bestimmt. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass die Dosen insbesondere bei sauren Getränken und längerer Lagerzeit trotz Beschichtung Aluminium abgeben können. Das bedeutet, dass der Schutz durch die Beschichtung auf Dauer nachlassen kann. Der vom Europarat festgelegte Höchstwert von 5 mg/kg Lebensmittel wurde jedoch in keinem Fall überschritten.

Des Weiteren haben wir eine Schwerpunktaktion zum Übergang von Aluminium aus Geschirr und Kochgeschirr durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass insbesondere Backformen und Grilltassen bei gleichzeitiger Einwirkung von Hitze und Säure 5 mg/kg deutlich überschreiten. Allerdings sind diese Produkte auch laut Herstellerangaben nicht für säure- oder stark salzhaltige Produkten geeignet.

Den Ergebnissen einer Studie des BfR zufolge, liegt die Aluminiummigration aus handelsüblichen, unbeschichteten Menüschalen aus Aluminium nach einer zweistündigen Warmhaltephase ebenfalls über 5 mg/kg Lebensmittel (BfR 2017).

Kosmetikprodukte

2015 wurde im Rahmen des nationalen Kontrollplanes eine Schwerpunktaktion zu Aluminium in Kosmetika durchgeführt, um einen Überblick über die üblichen Einsatzmengen in den verschiedenen Anwendungsbereichen zu bekommen. Hier wurden unter anderem auch 25 Antitranspirantien und zwei Deodorants untersucht. Die Deodorant-Proben enthielten kein Aluminium. Die Antitranspirantien wiesen Aluminiumgehalte zwischen 0,2 und 5,8 % auf, wobei die Mehrheit der Proben im Bereich 2-3 % angesiedelt war.

Tipps

  • Abwechslungsreiche Ernährung
  • Direkten Kontakt von sauren oder salzhaltigen Lebensmitteln (z.B. Zitrone, Sauerkraut, Paradeiser, saures Obst, Grillmarinaden) mit unbeschichteten Koch- und Küchenutensilien aus Aluminium (z.B. bei Backblechen durch Auflage von Backpapier) und mit Alufolien und –Grilltassen vermeiden
  • Entsorgung von Kochgeschirr, Trinkflaschen und anderen Gegenständen mit Lebensmittelkontakt, deren Beschichtung offensichtlich nicht mehr intakt ist
  • Das Auftragen von Antitranspirantien unmittelbar nach der Rasur oder auf geschädigte Haut vermeiden. Übermäßige Anwendung von Antitranspirantien, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen, ist nicht zu empfehlen. Alternativ aluminiumfreie Deodorants verwenden

Fachinformation

Auf Grundlage der vorhandenen Daten wurde von der EFSA eine wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge von 1 mg Aluminium/kg Körpergewicht (der sog. „Tolerable Weekly Intake“ TWI) abgeleitet. Diese Menge kann, nach aktuellem Wissensstand, ein Leben lang wöchentlich aufgenommen werden, ohne dass ein gesundheitliches Risiko für den Menschen besteht.

Die Expositionsabschätzung der EFSA aus dem Jahr 2008 ergab, dass die Durchschnittsbevölkerung mit einer wöchentlichen Aufnahme von 0,2 – 1,5 mg Aluminium pro kg Körpergewicht den TWI von 1 mg pro kg Körpergewicht von einem signifikanten Anteil der Bevölkerung überschritten wird. Den größten Beitrag zur ernährungsbedingten Aluminiumexposition lieferten Getreideprodukte, Gemüse und Getränke. Die von der EFSA 2008 ermittelten Expositionswerte schlossen neben natürlichen Aluminiumgehalten der Lebensmittel auch Einträge aus Lebensmittelzusatzstoffen und Lebensmittelkontaktmaterialien mit ein (EFSA 2008).

Der allergrößte Teil des in Lebensmitteln enthaltenen Aluminiums passiert den Magen-Darm-Trakt ohne aufgenommen zu werden. Durchschnittlich wird nur ca. 0,1 % des in Nahrungsmitteln enthaltenen Aluminiums und 0,3 % des Aluminiums im Trinkwasser über die Darmwand absorbiert. Dies liegt daran, dass sich Aluminium im Magen (saurer pH) zwar aus den meisten Lebensmitteln löst, im Darm (neutraler pH) jedoch wieder ausfällt und somit nicht aufgenommen werden kann. Die Aluminiumaufnahme aus einzelnen Mahlzeiten kann jedoch stark schwanken, da verschiedene Inhaltsstoffe der Nahrung die Absorption entweder fördern oder verringern können. Aluminium, das über den Darm aufgenommen wurde, verteilt sich im ganzen Körper (insbesondere z. B. in Kochen und Nieren liegen höhere Aluminiumkonzentrationen vor), wo es eine längere Zeit verbleiben kann, und wird schlussendlich über die Nieren wieder ausgeschieden.

Aluminium in Lebensmittelkontaktmaterialien

Aluminium ist relativ korrosionsbeständig, da die Oberfläche bei Kontakt mit Sauerstoff unmittelbar eine dünne Aluminiumoxidschicht bildet, die das darunterliegende reine Aluminium gegen weitere Oxidation und chemischen Angriff schützt. Dennoch wird Aluminium von sauren (z. B. Zitrone, Sauerkraut, Paradeiser, saures Obst, Grillmarinaden), salzhaltigen und basischen Lebensmitteln (z. B. bei der Herstellung von Laugengebäck) angegriffen wodurch gelöstes Aluminium freigesetzt wird. Für solche Anwendungen sind lebensmittelseitig daher Beschichtungen aus einem anderen Material erforderlich. Darüber hinaus ist auch das Aluminiumgehäuse der Kaffeekapseln an der Innenseite mit einer Kunststoffschicht überzogen, wodurch eine Aluminiumabgabe verhindert wird.

Aluminiumhaltige Antitranspirantien und Brustkrebs

Seit geraumer Zeit wurde ein Zusammenhang zwischen der Anwendung von Antitranspirantien und dem Auftreten von Brustkrebs vermutet. Studien zeigten, dass bei Brustkrebspatientinnen Aluminium im Bereich der Brust, Brustdrüsen und in der Nähe der Achselhöhle gefunden wurde (Exley et al. 2007). Es ist jedoch unklar, ob dies von einer Anwendung von Antitranspirantien herrührte oder durch die Eigenschaft der veränderten Zellen bedingt war, Aluminium aus dem Körper zu konzentrieren.

Eine 2017 veröffentlichte Studie der Medizinischen Universität Innsbruck zeigte, dass Brustkrebspatientinnen im Vergleich zu gesunden Probandinnen öfter aussagen, in jungem Alter (<30) „Unter-Arm-Kosmetika“ täglich mehrmals angewendet zu haben (Linhart et al. 2017). Darüber hinaus konnte Aluminium im Brustgewebe der gesunden, sowie auch der an Brustkrebs erkrankten Frauen nachgewiesen werden wobei die Erkrankten höhere Aluminiumkonzentrationen aufwiesen. Die Menge an eingelagertem Aluminium korrelierte mit der Häufigkeit der Anwendung. Aufgrund des Studiendesigns (Case-Control Study) konnte jedoch kein kausaler Zusammenhang zwischen Aluminiumsalzen als solche und Brustkrebs festgestellt werden. Außerdem wurde in dieser Studie gezeigt, dass eine Brustkrebserkrankung naher Verwandter den größten Risikofaktor darstellt.

Autorinnen und Autoren eines Übersichtsartikels aus dem Jahr 2008 und auch epidemiologischer Untersuchungen sowie die französische Gesundheitsagentur (Afssaps) kamen zu dem Schluss kamen, dass die Datenlage nicht ausreicht, um einen klaren Zusammenhang zwischen Brustkrebs und aluminiumhaltigen Antitranspirantien herzustellen (Mirick et al. 2002, Namer et al. 2008, ANSM 2011).

Zur Aufnahme von Aluminium aus Antitranspirantien über die Haut ist bis dato nur sehr wenig bekannt. Aus einer Humanstudie an zwei Probanden wurde eine Aufnahme über die Haut von 0,014 % abgeleitet (Flarend et al. 2001). Aus einer in-vitro Studie mit menschlicher Haut wurden, je nach Anwendungsart (Deo- Spray, -Roller, -Stick,), Aufnahmen von maximal 0,96 % abgeleitet. Bei geschädigter Haut wurde hier eine Aufnahme von bis zu 5,8 % demonstriert (Pineau et al. 2012). Derzeit liegen drei Humanstudien zur dermalen Bioverfügbarkeit von Aluminium aus Aluminiumchlorohydrathaltigen Antitranspirantien vor, deren Ergebnisse sehr unterschiedlich sind. Da die aktuellste dieser drei Humanstudien den belastbarsten Wert für die Bioverfügbarkeit von Aluminium liefert, wurde dieser Wert für die neuesten Berechnungen des BfR herangezogen (BfR 2020). Ergebnis der aktuellen BfR-Berechnungen ist, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den regelmäßigen Gebrauch von aluminiumchlorohydrathaltigen Antitranspirantien nach derzeitigem Wissensstand unwahrscheinlich sind. Demzufolge ist der Beitrag von aluminiumhaltigen Antitranspirantien zur Gesamtbelastung mit Aluminium deutlich geringer als bisher angenommen. Da bei der für die Berechnungen des BfR herangezogenen Studie die Probandenzahl mit sechs Personen relativ gering ist, sind weitere aussagekräftige Studien notwendig.

Insgesamt ist aufgrund der unterschiedlichen Ergebnisse weiterer Forschungsbedarf gegeben, um die Aufnahme von Aluminium nach Anwendung auf der Haut besser zu verstehen und eine etwaige Rolle von Aluminium bei Brustzellveränderungen abzuklären.

Aluminium und Alzheimer

Aufgrund der nachgewiesenen Neurotoxizität von Aluminium sowie Untersuchungen an Alzheimer Erkrankten, die erhöhte Aluminiumkonzentrationen im Hirn aufwiesen, entstand die Hypothese, dass Aluminium an der Entstehung der Alzheimer Krankheit beteiligt sei. Die EFSA kam jedoch zu dem Schluss, dass die Aufnahme von Aluminium über die Nahrung das Risiko an Alzheimer zu erkranken nicht erhöht (EFSA 2008). Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung kam in Bezug auf einen möglichen Zusammenhang von Aluminium aus Gebrauchsgegenständen und der Alzheimer Erkrankung zu einer ähnlichen Conclusio. Auch sie konnten keinen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminiumaufnahme und der Alzheimer Erkrankung nachweisen (BfR 2007).

AGES-Bericht: Aluminium in Lebensmitteln und anderen verbrauchernahen Produkten 2010–2017

Agence nationale de sécurité du médicament et des produits de santé (ANSM), Risk assessment related to the use of aluminum in cosmetic products -Summary (17/11/2011).

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2002: Erhöhte Gehalte von Aluminium in Laugengebäck. Stellungnahme des BfR vom 25. November 2002.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2007: Keine Alzheimer-Gefahr durch Aluminium aus Bedarfsgegenständen. Aktualisierte gesundheitliche Bewertung Nr. 033/2007 des BfR vom 22. Juli 2007.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2017: Unbeschichtete Aluminium-Menüschalen: Erste Forschungsergebnisse zeigen hohe Freisetzung von Aluminiumionen Stellungnahme Nr. 007/2017 des BfR vom 29. Mai 2017. DOI 10.17590/20170529-134819

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2020: Fragen und Antworten zu Aluminium in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten. Aktualisierte FAQ des BfR vom 20. Juli 2020

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2020: Neue Studien zu aluminiumhaltigen Antitranspirantien: Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Aluminium-Aufnahme über die Haut sind unwahrscheinlich. Stellungnahme 030/2020 des BfR vom 20. Juli 2020

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 2016: Empfehlung „Einsatz von Aluminium in Gebrauchsgegenständen“. BMG-75210/0035-II/B/13/2015. Empfehlung des Österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen: Empfehlung "Einsatz von Aluminium in Gebrauchsgegenständen".

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Aktionswerte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln. BMSGPK-2021-0.359.197 vom 5.7.2021

Directorate for the Quality of Medicines & Health Care of the Council of Europe (EDQM): Metals and alloys used in food contact materials and articles. A practical guide for manufacturers and regulators. 1st edition. 2013.

European Food Safety Authority (EFSA) 2008: Scientific Opinion of the Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Food Contact Materials on a request from European Commission on Safety of aluminium from dietary intake. The EFSA Journal (2008) 754, 1-34.

Exley C, Charles LM, Barr L, Martin C, Polwart A, Darbre PD. Aluminium in human breast tissue. J Inorg Biochem. 2007, 101(9):1344-6.

Flarend, R., Bin, T., Elmore, D., Hem, S. L., 2001. A preliminary study of the dermal absorption of aluminium from antiperspirants using aluminium-26. Food and Chemical Toxicology, 39: 163-168

International Agency for Research on Cancer (IARC) 2005: Occupational exposures during aluminium production

Linhart C, Talasz H, Morandi EM, Exley C, Lindner HH, Taucher S, Egle D, Hubalek M, Concin N, Ulmer H. Use of Underarm Cosmetic Products in Relation to Risk of Breast Cancer: A Case-Control Study. 2017. EBioMedicine.

Mirick DK, Davis S, Thomas DB. Antiperspirant use and the risk of breast cancer. Journal of the National Cancer Institute 2002; 94(20):1578–1580.

Namer M, Luporsi E, Gligorov J, Lokiec F, Spielmann M. The use of deodorants/antiperspirants does not constitute a risk factor for breast cancer. Bull Cancer. 2008;95(9):871-80.

Pineau, A., Guillard, O., Fauconneau, B., Favreau, F., Marty, M.-H., Gaudin, A., Vincent, C. M., Marrauld, A., Marty, J.-P., 2012. In vitro study of percutaneous absorption of aluminum from antiperspirants through human skin in the Franz™ diffusion cell. Journal of Inorganic Biochemistry, Journal of Inorganic Biochemistry 110 (2012) 21-26.

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Aktualisiert: 09.03.2022

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